Sonntag, 2. Oktober 2011

Schamhaarspalterei

Es ist ein leidiges Thema, was ich heute ansprechen möchte, sowohl in Femblogs als auch fast überall sonst: Die Intimbehaarung, speziell die weibliche.





Wenn man diversen Studien und Girltalks Glauben schenken darf, entfernt sich ein überwältigend hoher Prozentsatz der Frauen in Industrieländern regelmäßig die Schambehaarung, aber warum ist das so?

Ich kann mich erinnern, als ich meinen ersten Freund hatte fand der erste Sex im "Urzustand" statt, was er mit den Worten kommentierte: "Das kommt aber noch weg."(Es war keine Frage.)
Also tat ichs, jung und verliebt wie ich war, und es ist jahrelang dabei geblieben. Männer kamen und gingen und ich tat mein Bestes, um meine Scham babypopoweich zu halten, völlig unreflektiert, so wie man sich morgens die Haare kämmt.
Natürlich fand ich es oft unfassbar lästig (Pickelchen anyone?), aber es musste halt sein, oder ich dachte es zumindest. Es hat hinterher zwar nie wieder ein Mann explizit verlangt, aber es war ja auch nicht nötig.

Irgendwann kam mir der Gedanke: Warum mach ich das eigentlich? Selbst wenn ich keinen Sex habe? Alle Frauen haben Schamhaare, wenn sie der Pubertät entwachsen sind, das ist doch eigentlich nichts Unnormales? Und doch wird es bei uns regelrecht in die Fetischecke gestellt, wenn eine Frau unrasiert ist. Wollen alle Männer ein kleines Mädchen im Bett? Ich denke nicht.
Ich kann mir zwar vorstellen, dass Oralverkehr rasiert deutlich angenehmer ist, aber ich kann mir nicht vorstellen dass Cunnilingus eine Erfindung der 90er ist.

Viele Frauen sagen, dass sie es so hygienischer fänden. Bullshit! In den Phasen, wo ich mich rasiert habe hatte ich regelmäßig Blasenentzündungen. Unrasiert? Bis dato keine.
Zudem ist es mitteleuropäischer Standard fließend Wasser im Haus zu haben, Hygiene mag dabei in vorindustriellen Zeiten durchaus eine Rolle gespielt haben (sh. auch z.B. Islam), jetzt riecht es aber eher nach Ausrede.

Andere Frauen geben an, dass sie so sensibler seien. Dass ist eine Begründung die ich nachvollziehen kann. Auch zu sagen: "Mein Partner mag das, ich mache es für ihn." Kein Ding, sofern er sich genauso für sie pflegt. 
Versteht mich nicht falsch, es soll jeder so halten wie er und sein Partner es mag, was mir nicht gefällt ist dieser Zwang, diese Pathologisierung von etwas, was jede Frau (JEDE!) hat.

Es wird oft gesagt, Schamhaare seien eklig. Nein! Sie sind etwas völlig Natürliches!
Warum sind sie eklig? Darauf hab ich noch nie eine adäquate Begründung gehört.

Es stört mich einfach, dass der Normalzustand einer Frau nach der Pubertät etwas Ekliges sein soll, dass es auszumerzen gilt. Das ist doch nicht normal. 
Was ist das denn bitte für eine Botschaft an junge Mädchen? "Dein Körper verändert sich das ist ganz natürlich" und im selben Atemzug bekommen sie einen Ladyshave, um sich davon zu "befreien"?
Krank, einfach krank.

Naja, schauen wir mal, wie lange sich dieser Trend noch hält. Ich für meinen Teil werde meine Härchen weiterhin so stutzen, dass es nett aussieht, mach ich ja mit meinen Kopfhaaren auch.
Alles was darüber hinausgeht? Nicht mehr. Ich hab besseres zu tun.

Und BTW:
Männer schubsen einen nicht angewidert aus dem Bett, bloss weil man Haare an der Scheide (also drumrum, ne? :D)  hat. :)

Gruß und Kuß

Kommentare:

  1. An der Scheide wär ich mir nicht so sicher, das ist sicher schräg ;)
    Aber an der Vulva sind sie zumindest Naturzustand ab der Pubertät.

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  2. In der Scheide wär schräg :)
    Weißt was ich mein, aber ich änder es mal ab.

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  3. Word!! Schlimm, wie sehr sich dieser Trend durchgesetzt hat... oder zumindest scheint es so. Wissen tu ich es nicht.

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  4. Meinst du, dass mit der Blasenentzündung hat etwas damit zu tun? Liegt das nicht vllt eher daran, dass du davor einfach weniger (keinen wie du schreibst) Geschlechtsverkehr hattest?
    Aber egal, ich finde den Trend auch etwas seltsam, ob wohl ich als biologischer Mann dem ja auch ausgesetzt bin. Ich rasiere mir auch die Achselhaare und stutze die restliche Schambehaarung. Ich finde es aber persönlich auch schöner und bin auch nicht so versiert, so dass bei mir alle 2 Wochen reichen... :)
    Allerdings ist das wenn man(n) sich nach dem Sport mal umsieht schon krass wie viele Männer in der Dusche komplett glattrasiert sind und zwar immer...

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  5. Ein Wort vom Opa - macht doch was Ihr wollt. Aber denkt dran, dass in meiner Jugend Rasiermesser und -apparate dem männlichen Kinn vorbehalten waren, und selbst dort nicht durchgehend zur Anwendung kamen (Schnurrbart = Sexsymbol, Vollbart = Zeichen von Altersweisheit). Außerdem galt es, das männliche Haupthaar kurz zu halten, an welchem Glauben dann die sog. Hippies (in Opposition zum Militär) erfolgreich gerüttelt haben. Und wer sich zu unhygienisch vorkam, konnte sich der Deo-Seife "Rexona" bedienen, die notorisch damit beworben wurde, dass sie ihre AnwenderInnen von einem selbst nicht wahrgenommenen Körpergeruch (gibt's den? ;-) befreie.

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  6. @jntns: Dass wir Schamhaare inzwischen als unrein ansehen, ist eigentlich sehr tragisch. Denn sie schützen, wie auch andere Haare (Augenbrauen, Wimpern) unseren Körper vor Schmutz und Infektionen. Die hängen dann nämlich in den Haaren, statt in den weiblichen Körper zu geraten. Ebenfalls hilfreich war die Einführung der (Baumwoll)unterhose für Frauen, die dem gleichen Zweck diente. Umso tragischer, dass wir beide Schutzmechanismen inzwischen wieder abschaffen, siehe Plastikstringtangs.

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  7. Natrlich weiß ich was du meinst. Aber das war so eine Steilvorlage, ich konnte nicht anders ;)

    Bin immer wieder geschockt, dass die Entscheidung FÜR Haare echt immer mehr in die Fetisch-Ecke geschoben wird oder frau* gleich als ultra-Feministin betitelt (männe* natürlich nicht, da gehört das bärig *räusper*). Ja, String-Tangas und so "lustige" essbare Unterwäsche sehen mit Busch schon schräg aus. Wird mit verwachsenen Haarwurzeln aber nicht besser ;)

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  8. Ich muss sagen, dass ich auch eher fürs rasieren bin. Sieht meiner Meinung nach besser aus, ist angenehmer beim Oralsex.
    Im Gegenzug möchte ich auf Frauen verweisen, die es hassen, wenn man als Mann stoppeln hat und darauf, dass auch immer mehr Frauen die Vorzüge einer Rasur unten beim Mann zu schätzen wissen und sich wundern würden, wenn man es nicht macht. Beim Eierlecken und Blasen haben sie auch nicht gerne Haare im Mund. Haut schmeckt einfach besser als Haare.

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  9. *m Gegenzug möchte ich auf Frauen verweisen, die es hassen, wenn man als Mann stoppeln hat*

    Wenn du nicht rasierst, hast auch keine Stoppeln. Und ich persönlich finde dass eine Vollrasur bei nem Mann immer merkwürdig aussieht. So nackig. Ebenso Achseln. Stutzen, fein.

    Wie gesagt, das mag jeder so halten wie er will.
    Was nicht ok ist, ist dass es per se von Frauen erwartet wird, eine Vulva zu haben, die aussieht als sei sie nie mit sowas wie Pubertät konfrontiert worden und das alles andere als widerlich und unhygienisch (was es nicht ist) betitelt wird.

    Wenn jemand sagt, so mache es ihm mehr Spaß, ok,jedem das Seine. Aber diese blöden, prüden Ausreden.

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  10. scheiss-trend, das nackte. ein aufgeplatzter igel ist mir lieber

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  11. Danke für diesen Post!

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  12. Bäh mach das Bild weg, ich kotze gleich.

    Sowas würde ich nicht mit der Kneifzange anfassen, und ich bin garantiert kein Mann der werbeerzeugte und fotogeshopte Modeltypen geil findet..aber sowas???

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